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Woher weiß ich, was richtig für mich ist

  • Autorenbild: Kathrin Wirz
    Kathrin Wirz
  • 9. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Juni

Wenn wir im Atelier vor dem Malen kurz zusammensitzen und vor uns die vielen Farben stehen, taucht oft eine Frage auf:

„Welche Farbe soll ich nehmen?“

Manchmal wird sie laut ausgesprochen. Oft bleibt sie unausgesprochen.

Doch aus dieser kleinen Frage werden schnell größere: „Ob mir dazu etwas einfällt?“„Kann ich mir vertrauen?“

Und irgendwann geht es um etwas Grundsätzlicheres:

Wie treffe ich Entscheidungen? Worauf höre ich? Woher weiß ich, was für mich stimmt?


Auf welche Formen von Wissen greifen wir zurück?

Wir alle haben ein kleines inneres Parlament und nutzen täglich verschiedene Wissensquellen.

Da ist unser Verstand, der analysiert, vergleicht und plant.

Da ist unsere emotionale Intelligenz, die uns hilft, eigene Gefühle wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen.

Da ist unsere soziale Intelligenz, die uns unterstützt, andere Menschen zu verstehen und Beziehungen zu gestalten.


Da sind Erfahrungen, die uns sagen: „So habe ich es bisher gemacht.“

Da sind Regeln, Erwartungen und Meinungen anderer Menschen, die wir im Laufe unseres Lebens übernommen haben.

Und da gibt es das innere Wissen, das Bauchgefühl, die intuitive Intelligenz. Intuition fühlt sich oft an wie Wissen ohne Erklärung. Nicht als Gedanke, den wir Schritt für Schritt herleiten können, sondern als ein inneres Spüren, das schon da ist, bevor der Verstand seine Argumente sammelt.

Im Atelier zeigt sich das oft ganz einfach: Eine Farbe zieht uns an, ohne dass wir sagen können warum. Etwas in uns weiß es bereits.

Alle diese Wissensquellen haben ihren Platz. Die Frage ist weniger, welche die richtige ist, sondern wann welche hilfreich ist.

Hilfreich und manchmal hinderlich

Jede Wissensquelle hat ihre Stärken.

  • Der Verstand hilft uns, Risiken einzuschätzen, Probleme zu lösen und Ordnung zu schaffen. Gleichzeitig neigt er dazu, alles kontrollieren zu wollen.

  • Erfahrungen schenken Sicherheit. Sie können uns aber auch in alten Mustern festhalten, obwohl sich die Situation längst verändert hat.

  • Die Meinungen anderer erweitern unseren Blick. Manchmal entfernen sie uns jedoch von dem, was wir selbst eigentlich möchten.

  • Die Intuition reagiert auf den gegenwärtigen Moment. Sie kennt keine langen Argumentationsketten und liefert selten eine Gebrauchsanweisung.

Vielleicht hilft hier ein Vergleich zur KI: Es gibt nicht die eine „super-intelligente“ Fähigkeit, die alles übernimmt. Leistungsfähige Systeme entstehen dadurch, dass viele kleine spezialisierte Agenten jeweils eine überschaubare Aufgabe lösen und miteinander arbeiten. Ähnlich ist es bei uns. Verstand, Erfahrung, soziale Prägung und Intuition erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Wenn alle Stimmen mitspielen dürfen

Die Kunst liegt nicht darin, eine Stimme zur wichtigsten zu erklären, sondern die verschiedenen Wissensquellen wie ein Team zu orchestrieren. Es bedeutet, ihnen zuzuhören und zu unterscheiden, welche gerade gebraucht wird. Kognitiv die "Wetterlage" zu erfassen, darin sind wir geübt. Doch wer nur dem Verstand folgt, verliert manchmal den Kontakt zu dem, was ihn lebendig macht. Wie steht es um die intuitive Stimme: bevor wir ihr vertrauen können, müssen wir lernen, sie wahrzunehmen.

die stimme, die nicht diskutiert

Intuition ist oft überraschend leise. Sie diskutiert nicht stundenlang. Sie drängt nicht. Sie wiederholt sich nicht hundertmal.Viele beschreiben sie als ein plötzliches Wissen, eine innere Klarheit oder einfach als ein Gefühl von Stimmigkeit.

Im Malprozess greift man spontan zu einer Farbe. Sekunden später meldet sich der Verstand: „Eigentlich wollte ich doch Blau nehmen.“ Doch die Hand hatte bereits entschieden. Oft begegnet uns Intuition als kleiner Impuls. Ein Gedanke. Ein Bild. Ein plötzliches Interesse.

Gerade weil diese Impulse so unspektakulär wirken, werden sie leicht überhört. Dabei können sie Türen öffnen, die unser gewohntes Denken gar nicht auf dem Schirm hat.

Allerdings wird Intuition häufig verwechselt mit Instinkt. Der Instinkt dient vor allem dem Überleben. Er reagiert schnell auf Gefahr und Schutz. Er sagt: „Pass auf.“„Bleib stehen.“

Intuition klingt anders. Sie möchte uns nicht unbedingt schützen, sondern orientieren. Sie sagt eher: „Schau dort hin.“„Probier das aus.“„Geh dort entlang.“

Beides sind wertvolle innere Stimmen: Instinkt als Beschützer und Intuition als Entdeckerin.


Intuitives Malen - Übungsfeld fürs Leben

Wir alle bewegen uns in Gewohnheiten. Viele davon sind hilfreich. Manche laufen jedoch so automatisch ab, dass wir sie kaum noch bemerken.

Im Atelier auf dem Papier überraschen sich die Malenden dann doch entgegen dem Vertrauten.

So entsteht der Impuls Rot statt Blau. Große Flächen statt kleiner Formen. Die ungeübte Hand statt der vertrauten. Wie hört sich das an?

„Oh ja, endlich habe ich meinen Rhythmus verlassen. Es fühlt sich fast verboten an.“„Mit Weiß habe ich alles verbunden. Plötzlich durfte alles da sein.“„Mit Gold habe ich das Außen nach innen geholt.“

Was auf dem Papier geschieht, geschieht oft auch im Leben. Vielleicht den anderen Weg nach Hause nehmen. Eine Einladung annehmen. Eine Idee aussprechen. Etwas beginnen, obwohl noch nicht alles geplant ist. Jeder kleine umgesetzte Impuls lockert ein Stück des alten Programms.


Mein intuarts Malatelier ist ein geschützter Raum, in dem wir dieses Neue ausprobieren können. So üben wir nicht, den Verstand auszuschalten, sondern die Balance zwischen unseren vielfältigen Wissensquellen lebendig zu halten.

Die Kunst liegt nicht darin, einer Stimme blind zu folgen, sondern sie miteinander ins Gespräch zu bringen. Genau das passiert auf dem Papier. Dabei entstehen wunderbare Dialoge.


Die Balance der Stimmen in Farben zu finden ist kein Zustand, eher eine Bewegung. Mal führt die eine Farbe , mal die andere. Ist es nicht genau so?

Und manchmal entsteht genau daraus ein Weg, der sich stimmig anfühlt – weil nicht nur ein Teil von uns gehört wurde, sondern das ganze Orchester. Become an intuArtist!

 
 
 

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