Warum begleitest du Menschen beim Malen?
- Kathrin Wirz
- 10. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
WAS LIEBST DU DARAN? Das werde ich ab und an gefragt.

Kürzlich: ein Sohn hat einen Family-Workshop bei mir gebucht – für sich, seine Mutter und seine Familie. Es geht ihm, glaube ich, um die gemeinsame Zeit, etwas zusammen zu machen, vielleicht auch für später als Erinnerung. Wenn wir mit dem Malen beginnen, spüre ich häufig Neugier, Unsicherheit, Tatendrang, Bammel, Respekt oder „endlich Zeit“. Überhaupt nicht laut, eher wie ein Innehalten.
Jede/r nähert sich dem Papier unterschiedlich:
Sie legt ihre Hände zuerst aufs Papier. Ohne Farbe. Einfach erst mal fühlen.
Die kleineren Kinder sind schneller. Kaum das Blatt angebracht, ist die Hand schon in der Farbe. Ist erfrischend, oder? Dieses Selbstverständliche. Kein Warten. Kein Fragen.
Er überlegt kurz. Was soll ich bloß malen? Dann dieser kleine Moment, als er die Hand wechselt – zur ungeübten.
Ich mag diese Momente. Da passiert oft schon etwas.
Irgendwann wird es still. So eine Stille, die schön leer ist und sich füllt.
Ich bewege mich ruhiger. Halte den Raum. Schaue und lasse mich auch von den
Farbimpulsen überraschen. Ich bin in jedem Bild, bei jeder/m Malenden.
Die Kinder sind eingetaucht.
Die Hand der Mutter wird weicher in ihren Bewegungen.
Der Sohn hat seinen Rhythmus gefunden.
Seine Frau holt sich eine neue Farbe.
Und da ist der Moment, den ich nicht planen kann:
Wie Blicke ausgetauscht werden. Wie die Blicke zu den Bildern der anderen gehen. Nur kurz. Aufmerksam, neugierig, liebevoll. Solche Blicke sind selten im Alltag.
Später hat sie eine Farbe genommen, die sie eigentlich nicht mag. Ohne Zögern.
Das hat mich berührt.
Ich sehe oft, wie Menschen sich langsam mehr erlauben.
Nicht, weil ich etwas sage. Sondern, weil sie es selbst spüren.
Am Ende, wenn wir zusammensitzen und uns zum Prozess austauschen, entstehen innige, ehrliche Momente. Jede/r für sich und gemeinsam. Es sind anfangs meist einfache Sätze, wie:
Dass er nicht nachgedacht hat.
Dass sie sich um nichts kümmern muss.
Dass sie überrascht ist.
Dass es ihnen einfach gut geht.
Dass sie stolz sind.
Die Kinder haben ihr Bild erzählt, und alle sind eingestiegen in diese Welt.
Ich höre zu. Wir hören uns gegenseitig zu. Mehr nicht.
Es sind sehr schöne Momente, wenn sie „sich sehen“ über die Einzigartigkeit ihrer Bilder. In den Bildern hat sich über die Farben etwas gelöst, bewegt, verdichtet, ausgeweitet …Und dann sprechen sie auch über Wünsche und Träume..., die vielleicht beim nächsten Mal einen Platz auf dem Papier finden.
Nachdem wir gemeinsam die Bilder noch einmal gewürdigt haben, begleite ich sie hinaus. Manchmal sitze ich mit den Malenden noch ein bisschen zusammen bei einem Glas Wein oder Tee.

Wenn alle gegangen sind, gehe ich wieder zurück zu den Bildern. Da liegt noch etwas in der Luft. Schwer zu beschreiben … oder doch: Ich bin glücklich.
Und genau dafür mache ich das.
Die Kunst sich näherzukommen – sich selbst und den anderen.



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